Dach- und Fassadenbegrünung in Marburg
Auf den meisten Garagen und Carports liegt eine Bitumenbahn oder eine Schicht Kies. Im Sommer heizt sich die Fläche auf, bei Regen schießt das Wasser über das Fallrohr in den Kanal, und vom Wohnzimmerfenster im ersten Stock sieht man auf eine graue Fläche. Dieselbe Fläche kann mit einer dünnen Vegetationsschicht aus Substrat und trockenheitsfesten Pflanzen einen Teil des Regens halten, im Sommer kühler bleiben und Wildbienen Futter geben.
Wir planen Dach- und Fassadenbegrünungen für Hausgärten in Marburg und im Umkreis von etwa 50 km: extensive Gründächer auf Garage, Carport, Gartenhaus und flachen Anbauten, Kletterpflanzen und Rankhilfen an Hauswänden, Mauern und Zäunen. Ich bin Landschaftsarchitekt (AKH) und führe seit 2004 einen eigenen Garten- und Landschaftsbau-Betrieb. Arbeiten am Dach selbst, vor allem die Abdichtung, übernehmen Dachdecker als Partnerbetriebe unter meiner Planung und Bauleitung.
Was bringt eine Dachbegrünung?
Ein Gründach ist ein kleiner Schwamm auf dem Dach. Was er nicht halten kann, läuft weiter über das Fallrohr ab, aber langsamer und in kleineren Mengen. Wer dieses Wasser im Garten weiter nutzt, in einer Zisterne oder einer Sickermulde, hat das Regenwasser vom Dach bis in den Boden durchgeplant. Mehr dazu auf der Seite Regenwasser im Garten und im Ratgeber Schwammgarten: Regenwasser im Garten halten.
Extensiv oder intensiv: Welche Dachbegrünung passt?
Extensive Dachbegrünung. Ein dünner Aufbau mit Sedum (Fetthenne), Kräutern, Gräsern und kleinen Stauden, die Trockenheit und Hitze aushalten. Das Dach wird nicht betreten, gegossen wird nach dem Anwachsen nicht. Das ist die Begrünung für Garage, Carport, Gartenhaus, Mülltonnenhäuschen und flache Anbauten am Haus.
Intensive Dachbegrünung. Ein Dachgarten mit dickem Aufbau, Rasen, Stauden und Sträuchern, begehbar und auf Bewässerung angewiesen. Das ist ein Bauvorhaben für das Gebäude, das von Anfang an mit dem Architekten und dem Statiker des Hauses geplant werden muss. Für Nebengebäude im Hausgarten kommt es kaum infrage.
Hält meine Garage eine Dachbegrünung aus?
Wir versprechen niemandem, dass sein Dach eine Begrünung trägt. Viele Fertiggaragen sind knapp bemessen, manche ältere Carports aus Holz ebenso. Die Prüfung ist keine Formsache: Ein Dach, das unter der Last nachgibt, wird undicht, im schlimmsten Fall versagt die Konstruktion.
Neben der Tragfähigkeit zählen zwei weitere Punkte:
- Die Abdichtung. Unter einem Gründach muss die Abdichtung wurzelfest sein, sonst kommt eine eigene Wurzelschutzbahn dazu. Bei älteren Dächern ist es oft sinnvoll, die Abdichtung vor der Begrünung zu erneuern, denn danach liegt sie viele Jahre unter dem Substrat. Das ist Arbeit für den Dachdecker.
- Die Dachneigung. Flachdächer und leicht geneigte Dächer lassen sich am einfachsten begrünen. Je steiler das Dach, desto mehr muss das Substrat gegen Abrutschen gesichert werden.
Wie ist ein Gründach aufgebaut?
Von unten nach oben: Auf der wurzelfesten Abdichtung liegt ein Schutz- und Speichervlies, darauf eine Drainageschicht, die überschüssiges Wasser zum Dachablauf führt. Ein Filtervlies hält das Substrat darüber fest, damit es die Drainage nicht zusetzt. Obenauf kommt das Substrat, ein leichtes mineralisches Gemisch mit wenig organischem Anteil, und darauf die Pflanzen, als Sprossen gestreut, als Kleinballen gepflanzt oder als vorkultivierte Matte verlegt.
An den Rändern und rund um die Dachabläufe bleibt ein Streifen aus Kies frei. So wachsen die Pflanzen nicht in den Ablauf, und Wasser kann auch bei Starkregen abfließen. Als Regelwerk gelten die Dachbegrünungsrichtlinien der FLL (Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau).
Gründach, Regenwasser und Gebühren
In Marburg hängt die Niederschlagswassergebühr davon ab, wie dicht eine angeschlossene Fläche ist. Ein Kiesdach zählt wie jedes andere Dach voll, ein Gründach als teilversiegelte Fläche nur zur Hälfte (§ 23 Abs. 3 Abwassersatzung der Universitätsstadt Marburg). Den Nachweis muss der Grundstückseigentümer erbringen, die Begrünung wird also bei der Stadt angezeigt. Andere Gemeinden im Landkreis rechnen nach eigenen Satzungen. Wo die Gebühr gesplittet ist, wird ein Gründach oft ähnlich behandelt, das steht in der Abwassersatzung Ihrer Gemeinde.
Manche Städte und Gemeinden fördern Dachbegrünungen außerdem mit einem Zuschuss. Ob es das an Ihrem Wohnort gerade gibt, erfahren Sie bei der Stadt oder Gemeinde. Bei Förderprogrammen muss der Antrag in der Regel vor Baubeginn gestellt werden. Das klären wir in der Planung, bevor ein Auftrag vergeben wird.
Fassadenbegrünung: Kletterpflanzen und Rankhilfen
Eine begrünte Wand beschattet das Mauerwerk im Sommer, Vögel finden darin Nistplätze, und Efeu blüht im Herbst, wenn kaum noch etwas anderes blüht. Aber: Nicht jede Wand verträgt jede Pflanze.
Selbstklimmer gehören nur an intaktes Mauerwerk oder intakten Putz. Wo Risse sind, wachsen die Triebe hinein. Auf gedämmten Fassaden mit Wärmedämmverbundsystem haben Selbstklimmer nichts zu suchen. Dort kommt nur eine Rankhilfe infrage, die mit passenden Befestigungen durch die Dämmung hindurch verankert wird, oder eine Rankhilfe, die frei vor der Wand steht.
Kletterpflanzen an Rankhilfen wachsen dort, wo man sie haben will. Schlingende Pflanzen winden sich um Seile oder Stäbe, rankende halten sich mit Ranken an Gittern fest, Kletterrosen werden angebunden. Fenster, Dachrinnen und Fallrohre bleiben frei, wenn die Rankhilfe dort endet.
Kletterpflanzen, die wir für Hauswände, Mauern und Zäune vorschlagen:
- Hedera helix – Efeu. Heimisch, immergrün, Selbstklimmer, späte Blüte für Insekten.
- Parthenocissus tricuspidata – Wilder Wein. Selbstklimmer, rote Herbstfärbung.
- Lonicera periclymenum – Wald-Geißblatt. Heimisch, schlingend, Duft am Abend.
- Humulus lupulus – Hopfen. Heimisch, schlingend, zieht im Winter ein.
- Clematis vitalba – Gewöhnliche Waldrebe. Heimisch, rankend, wüchsig, braucht Platz.
- Kletterrosen, angebunden an Spalier oder Seil.
Gepflanzt wird in den Boden, mit einer gut vorbereiteten Pflanzgrube. Pflanzkästen an der Wand trocknen im Sommer aus und brauchen eine Gartenbewässerung. Mehr zur Pflanzenauswahl auf der Seite Pflanzungen.
Was wir selbst machen und was Partner machen
Planung, Pflanzenauswahl, Pflanzgruben, Pflanzung, Rankhilfen im Garten und den Anschluss der Fallrohre an Zisterne oder Mulde übernehmen wir. Abdichtung, Wurzelschutz und Arbeiten am Dachrand macht ein Dachdecker als Partnerbetrieb, die Tragfähigkeit bestätigt der Hersteller der Garage oder ein Statiker. Geplant und geleitet wird das Ganze von uns, und Sie haben einen Ansprechpartner. Welche Arbeiten ein Partner ausführt, sagen wir Ihnen vorher.
So gehen wir vor
- Ortstermin. Wir schauen uns Dach, Abdichtung, Abläufe und Fallrohre an, bei Fassaden Wandaufbau, Himmelsrichtung und Platz für die Pflanzung. Der Einstieg ist die Gartenberatung vor Ort.
- Prüfung. Tragfähigkeit beim Hersteller oder Statiker klären, Zustand der Abdichtung mit dem Dachdecker, Fragen zu Gebühr und Förderung bei der Gemeinde.
- Planung. Aufbau, Pflanzen, Rankhilfen und der Weg des Regenwassers vom Dach in den Garten. Bei größeren Projekten als Teil der Gartenplanung.
- Bau. Erst der Dachdecker, dann Drainage, Substrat und Pflanzen. An der Fassade erst die Rankhilfe, dann die Pflanzung.
Häufige Fragen
Wie viel Pflege braucht ein Gründach?
Wenig. Ein- bis zweimal im Jahr sollte jemand auf das Dach schauen: Abläufe frei halten und Gehölzsämlinge herausziehen, bevor sie Wurzeln in die Abdichtung schicken.
Kann ich das Wasser vom Gründach in die Zisterne leiten?
Ja. Das Wasser ist anfangs etwas bräunlich gefärbt, zum Gießen ist es gut geeignet. Wie man die Zisterne bemisst, steht im Ratgeber Zisterne im Garten: Kosten und Größe. Alternativ läuft es in eine Sickermulde.
Schadet Efeu der Hauswand?
An intaktem Mauerwerk in der Regel nicht. An rissigem Putz und an gedämmten Fassaden schon. Deshalb schauen wir uns die Wand an, bevor wir eine Pflanze vorschlagen.
Wenn Sie ein Dach oder eine Wand begrünen möchten, schildern Sie uns Ihr Vorhaben.