Obstgarten und Streuobstwiese anlegen in Marburg
Streuobstwiesen prägen in Mittelhessen viele Ortsränder. Viele davon sind alt, die Bäume wurden vor Jahrzehnten gepflanzt, und auf manchen Wiesen fehlt die nächste Generation. Und manches Grundstück, am Ortsrand, am Hang hinter dem Haus oder als große Wiese hinter dem Elternhaus, wartet nur darauf, dass dort ein paar Obstbäume stehen.
Sie können. Ein Obstgarten braucht keinen Hektar. Schon drei, vier Hochstämme auf einer Wiese sind ein Stück Streuobst, das blüht, trägt und Vögeln, Wildbienen und Käfern Platz bietet. Wir planen und pflanzen Obstgärten und Streuobstwiesen in Marburg und im Umkreis von etwa 50 km. Ich plane als Landschaftsarchitekt (AKH), unser eigener Garten- und Landschaftsbau-Betrieb pflanzt, seit 2004.
Was braucht man, um eine Streuobstwiese anzulegen?
Hochstamm heißt: Der Stamm ist so hoch, dass man darunter mähen oder Tiere weiden lassen kann. Solche Bäume stehen auf Sämlingsunterlagen, wachsen langsamer an, werden dafür groß, alt und kommen mit Trockenheit besser zurecht als die schwach wachsenden Spindelbäume aus dem Erwerbsobstbau, weil sie tiefer wurzeln.
Der Abstand richtet sich nach der Größe, die ein Baum in dreißig Jahren hat. Ein Apfelhochstamm braucht im Alter eine Krone von acht bis zehn Metern Durchmesser, Birnen und Süßkirschen eher mehr. Wer zu eng pflanzt, hat später Bäume, die sich gegenseitig das Licht nehmen. Für die Abstände zur Nachbargrenze gelten in Hessen Mindestabstände nach dem Nachbarrechtsgesetz. Wir planen sie mit ein.
Welche Obstsorten passen nach Mittelhessen?
Auf eine Streuobstwiese gehören robuste Sorten, die ohne Spritzmittel auskommen und mit unserem Klima zurechtkommen. Das sind meist alte, regional verbreitete Sorten. Viele davon tragen nicht so gleichmäßig wie Supermarktsorten, dafür sind sie widerstandsfähiger gegen Schorf und Krankheiten und vielfältig verwendbar: zum Essen, zum Backen, für Saft und Apfelwein.
| Obstart | Platzbedarf | Hinweis |
|---|---|---|
| Apfel | groß | Rückgrat jeder Streuobstwiese, viele alte Sorten für Tafel, Saft und Apfelwein |
| Birne | sehr groß | wird hoch und alt, Mostbirnen besonders robust |
| Süßkirsche | sehr groß | blüht früh, wichtige Bienenweide, Ernte nur mit hoher Leiter |
| Zwetschge | mittel | kleinere Krone, gut für den Rand der Wiese |
| Walnuss | sehr groß | eigener Platz am Rand, verträgt sich schlecht mit engem Stand |
Quelle: Praxis Gartenarchitektur & Landschaftsbau Jens Maute
Welche Sorten wir im Einzelnen pflanzen, hängt von Ihrem Standort ab: Höhe, Boden, Frostlage, und davon, was Sie mit dem Obst vorhaben. Wir mischen früh, mittel und spät reifende Sorten, damit nicht alles in derselben Woche reif ist. Und wir pflanzen Apfelsorten, die sich gegenseitig bestäuben, denn die meisten Äpfel brauchen eine zweite, passende Sorte in der Nähe.
Pflanzung: So setzen wir Obstbäume
- Pflanzzeit. Am besten im Herbst, wurzelnackte Hochstämme gibt es von Ende Oktober bis ins Frühjahr. Gepflanzt wird nicht bei Frost.
- Pflanzloch. Deutlich größer als die Wurzeln, Sohle und Wände gelockert. Auf Wiesen mit vielen Wühlmäusen setzen wir einen Drahtkorb um die Wurzeln.
- Pfahl. Der Baum wird an einem kräftigen Pfahl angebunden, damit der Wind die neuen Wurzeln nicht abreißt.
- Stammschutz. Gegen Sonnenbrand am jungen Stamm und, wenn Schafe oder Wild auf die Fläche kommen, gegen Verbiss.
- Pflanzschnitt. Gleich nach dem Pflanzen wird die Krone angelegt: ein Mitteltrieb und drei bis vier Leitäste, der Rest kommt weg.
- Wässern. In den ersten Sommern braucht der Baum in Trockenzeiten viel Wasser auf einmal statt täglich ein wenig. Regenwasser aus einer Zisterne ist dafür ideal.
Erziehungsschnitt: Die ersten zehn Jahre
Der Erziehungsschnitt ist bei einem Hochstamm wichtiger als alles, was danach kommt. Ein gut erzogener Baum braucht im Alter nur noch alle paar Jahre einen Erhaltungsschnitt. Ein Baum, den man zehn Jahre wachsen lässt, wie er will, hat später zu viele, zu steile Äste, die unter dem Fruchtbehang brechen. Mehr zum Schnitt älterer Bäume steht auf der Seite Hecken- und Baumschnitt.
Die Wiese unter den Bäumen
Unter einer Streuobstwiese liegt eine Wiese, kein Rasen. Sie wird einmal im Jahr im Oktober gemäht oder zweimal, im Juni und im Oktober. Das Mähgut bleibt ein paar Tage liegen, damit die Samen ausfallen, und wird dann abgeräumt. So bleibt der Boden mager, und die Wiese blüht. Wer jede Woche mäht, hat Rasen, wer gar nicht mäht, nach ein paar Jahren Brombeeren.
Wenn die Fläche heute Rasen ist, gibt es mehrere Wege zur Blumenwiese: Oberboden abtragen und neu einsäen, Wiesenstauden in den Rasen pflanzen oder auf kleinen Inseln aussäen. Welcher Weg passt, steht auf den Seiten Naturgarten und Rasen und Wiese. Wir verwenden regionales Wildpflanzen-Saatgut.
Rund um den Stamm halten wir in den ersten Jahren eine Baumscheibe frei von Gras, damit der junge Baum nicht mit der Wiese um Wasser konkurrieren muss. Mulch hilft, im Sommer die Feuchtigkeit zu halten.
Alte Bäume, Totholz und Baumhöhlen bleiben stehen, solange sie niemanden gefährden. Ein Nistkasten für Steinkauz oder Gartenrotschwanz, ein Haufen Steine, eine ungemähte Ecke bis zum nächsten Frühjahr: Eine Streuobstwiese lebt von solchen Stellen. Was in der Brutzeit geschnitten werden darf und was nicht, regelt § 39 Abs. 5 des Bundesnaturschutzgesetzes. Größere Schnitte an Hecken und Gebüschen am Rand der Wiese legen wir deshalb in den Winter.
Obstgarten im Hausgarten
Nicht jeder hat Platz für Hochstämme. Im Hausgarten pflanzen wir auch Halbstämme, Buschbäume oder ein Spalier an der Hauswand, wo die Wärme der Mauer den Früchten hilft. Für eine Wildstrauchhecke mit essbaren Früchten wie Felsenbirne oder Kornelkirsche siehe Bäume und Hecken, für Beete und Stauden unter und zwischen den Bäumen Pflanzungen.
So arbeiten wir
- Ortstermin. Wir schauen uns Fläche, Boden, Sonne und Zufahrt an und klären, was Sie mit dem Obst vorhaben. Der Einstieg ist die Gartenberatung vor Ort.
- Planung. Standorte der Bäume, Sorten, Wiese, Reihenfolge. Was ein Naturgarten insgesamt kostet und wie der Ablauf aussieht, steht im Ratgeber Naturgarten anlegen lassen.
- Pflanzung. Unser Team pflanzt im Herbst oder Frühjahr, mit Pfahl, Wühlmausschutz und Pflanzschnitt.
- Die ersten Jahre. Auf Wunsch übernehmen wir Erziehungsschnitt und Mahd im Rahmen der Gartenpflege, oder wir zeigen Ihnen, worauf es ankommt.
Häufige Fragen
Wann tragen neue Hochstämme die erste Ernte?
Hochstämme auf Sämlingsunterlage brauchen Geduld. Mit nennenswerten Erträgen rechnet man meist erst nach mehreren Jahren, dafür werden die Bäume alt.
Kann man eine alte Streuobstwiese wieder in Gang bringen?
Ja. Alte Bäume bekommen über mehrere Winter verteilt einen Erhaltungsschnitt, Lücken werden mit jungen Hochstämmen nachgepflanzt, und die Wiese wird wieder regelmäßig gemäht.
Wenn Sie einen Obstgarten oder eine Streuobstwiese anlegen möchten, schildern Sie uns Ihr Vorhaben.