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Zisterne im Garten: Kosten, Größe (5.000 oder 10.000 l), Genehmigung – lohnt sie sich?

Eine Zisterne im Garten lohnt sich selten allein über gesparte Wassergebühren, sondern über Gießwasser in Trockenperioden und Rückhalt bei Starkregen. Für einen Hausgarten mit 120 qm Dach sind 5.000 bis 10.000 Liter sinnvoll. In Marburg entfällt mit Versickerung des Überlaufs zusätzlich die Niederschlagswassergebühr von 0,73 € je qm Dachfläche und Jahr.

Bei 120 qm Dachfläche fallen in Marburg rund 60 cbm Regenwasser im Jahr an. Die meisten Zisternen, die heute in Neubauten eingebaut werden, fassen im günstigen Fall 7 cbm, unserer Meinung nach viel zu wenig. Hier rechnen wir vor, wie groß eine Zisterne für Ihren Garten sein sollte, was sie mit Einbau kostet und was in Marburg und Hessen an Genehmigung, Gebühren und Förderung gilt.

Lohnt sich eine Zisterne im Garten?

Selten allein über die Wasserrechnung. Eine Zisterne lohnt sich, weil Sie in Trockenperioden Gießwasser haben, wenn Leitungswasser knapp oder teuer wird, und weil sie bei Starkregen Wasser zurückhält. In Marburg kommt die gesparte Niederschlagswassergebühr dazu.

Die ehrliche Rechnung zuerst: Bei einem Garten, der vor allem Beete und Gemüse gießt, sparen Sie im Jahr vielleicht 20 bis 30 cbm Trinkwasser. Mit dem Preis aus Ihrer Wasserabrechnung multipliziert, ist das kein Betrag, der eine Zisterne in wenigen Jahren bezahlt.

In Marburg gibt es aber zwei Posten, die oft übersehen werden:

  • Niederschlagswassergebühr: Die Stadt berechnet 0,73 € je qm angeschlossener Fläche und Jahr (§ 23 Abwassersatzung). Läuft das Dach in eine Zisterne mit mindestens 2 cbm, deren Überlauf auf dem Grundstück versickert, zählt die Fläche als nicht angeschlossen. Bei 120 qm Dach sind das 87,60 € im Jahr. Hat die Zisterne einen Notüberlauf in den Kanal, halbiert sich die Gebühr für diese Fläche, also 43,80 € Ersparnis.
  • Schmutzwassergebühr beim Gießen: Wer mit Leitungswasser gießt, zahlt in Marburg auf jeden cbm zusätzlich 1,70 € Abwassergebühr (§ 24), obwohl das Wasser nie in den Kanal läuft. Das lässt sich nur mit einem geeichten Gartenwasserzähler und Antrag zurückholen (§ 25 Abs. 3). Wasser aus der Zisterne wird dagegen nicht als Frischwasser gezählt (§ 25 Abs. 1).

Der eigentliche Wert liegt woanders. Die letzten Sommer haben gezeigt, dass wir wohl auch in Zukunft mit langen, trockenen Sommern rechnen müssen. Getreu dem Sprichwort „Spare in der Zeit, dann hast du in der Not“ ist eine Regenwasserrückhaltung für einen klimafitten Garten elementar. Und Regenwasser ist für Pflanzen verträglicher als Leitungswasser.

Sicher, eine Regentonne ist schneller aufgestellt und leicht zu bedienen. Sie hat aber ein sehr geringes Volumen, und das Wasser wird oberirdisch durch Wärme und UV-Licht schneller brackig. Eine Zisterne liegt im Boden, kühl und dunkel, man sieht sie nicht und sie nimmt keinen Platz weg. Auf der Fläche darüber kann ein Beet wachsen.

Wie groß muss die Zisterne sein? Rechenbeispiel Marburg

Für einen Garten mit 400 qm, von dem rund 150 qm Beete gegossen werden, braucht die Zisterne 7.000 bis 10.000 Liter. Das reicht für drei bis vier Wochen ohne Regen. Eine 5.000-Liter-Zisterne reicht für kleinere Gießflächen, 1.000 Liter sind nach einer halben Woche leer.

Die Größe ergibt sich aus zwei Fragen: Wie viel Wasser liefert das Dach? Und wie viel brauchen Sie in einer Trockenperiode?

1. Was liefert das Dach? Dachfläche x Niederschlag x Abflussbeiwert. Der Abflussbeiwert berücksichtigt, dass nicht jeder Tropfen in der Rinne landet. Für ein geneigtes Ziegeldach rechnet man mit 0,8.

2. Was brauchen Sie? Gießfläche x Wassermenge pro Gießgang x Gießgänge in der Trockenperiode. Gegossen werden Beete, Gemüse und Neupflanzungen. Den Rasen gießen wir nicht: Er wird im Sommer braun und erholt sich im Herbst.

Rechenbeispiel: 120 qm Dach, 400 qm Garten in Marburg
GrößeWertRechnung
Jahresniederschlag Raum Marburgrund 650 mm650 mm = 650 Liter je qm
davon April bis Septemberrund 330 mmSumme der Monatsmittel
Regenwasser vom Dach pro Jahrrund 62 cbm120 qm x 0,65 m x 0,8
davon April bis Septemberrund 32 cbm120 qm x 0,33 m x 0,8
Gießfläche (Beete, Gemüse)150 qmRasen wird nicht gegossen
Gießmenge in Trockenperioden15 Liter je qm und Wocheein kräftiger Gießgang statt täglich ein bisschen
Bedarf pro Woche2.250 Liter150 qm x 15 l
Bedarf für 3 Wochen ohne Regenrund 6.800 Liter3 x 2.250 l
Bedarf für 4 Wochen ohne Regen9.000 Liter4 x 2.250 l

Quelle: Niederschlag: Station Cölbe, Mittel 10/2021–09/2026 (wetterdienst.de); Gießmenge: Annahme Jens Maute; eigene Berechnung

Das Dach liefert also mehr als genug. Der Engpass ist der Speicher. Eine Zisterne mit 7.000 bis 10.000 Litern bringt die Beete über drei bis vier Wochen Trockenheit. Ein 1.000-Liter-Tank ist nach einer halben Woche leer.

Der häufigste Rechenfehler: Millimeter und Liter werden verwechselt. 1 mm Niederschlag sind 1 Liter pro qm, nicht 1 cbm. Und wer 15 Liter pro qm gießt, braucht für 400 qm 6.000 Liter, nicht 60.000. Wer im Internet auf Zisternengrößen von mehreren Hundert Kubikmetern für einen Hausgarten stößt, sollte die Kommastelle prüfen.

Welche Zisternengröße passt zu welchem Garten?
GießflächeBedarf pro WocheSinnvolle Größe
bis 50 qm (Reihenhausgarten)bis 750 l2.000–3.000 l
50–100 qm750–1.500 l3.000–5.000 l
100–150 qm1.500–2.250 l5.000–10.000 l
über 150 qmüber 2.250 lab 10.000 l oder zwei Behälter

Quelle: Eigene Berechnung nach obigem Schema, 15 l je qm und Woche, drei bis vier Wochen Reserve

Was kostet eine Zisterne mit Einbau?

Der Behälter ist nur ein Teil der Kosten. In einen ehrlichen Preis gehören: Aushub und Abfuhr des Bodens, Behälter, Filter im Zulauf, Zulauf vom Fallrohr, Pumpe mit Druckleitung und Zapfstelle, Überlauf in Mulde, Rigole oder Kanal, Schachtabdeckung (befahrbar ist teurer) und die Wiederherstellung der Fläche.

Üblich sind bei uns drei Ausführungen: ein Kunststoff-Flachtank mit 5.000 l, wenn wenig Tiefe zur Verfügung steht, eine Kunststoffzisterne mit 10.000 l und eine Betonzisterne mit 10.000 l, die mit dem Kran versetzt wird. Welche davon zu Ihrem Grundstück passt und was sie komplett eingebaut kostet, rechnen wir nach dem Ortstermin aus.

Was den Preis treibt: ein Grundstück, auf das kein Bagger kommt, felsiger Untergrund, hoher Grundwasserstand (der Tank muss gegen Auftrieb gesichert werden), eine befahrbare Ausführung unter der Einfahrt und lange Leitungswege zum Fallrohr.

Was wir auf Ihrem Grundstück konkret vorschlagen würden, klären wir am besten vor Ort. Was wir rund um Regenwasser planen und bauen, steht auf der Seite Regenwasser im Garten.

Beton oder Kunststoff, unterirdisch oder oberirdisch?

Für den Hausgarten ist die unterirdische Zisterne die Regel, oberirdische Tanks nur für kleine Mengen. Beton ist schwer, langlebig und auftriebssicher, braucht aber einen Kran. Kunststoff ist leicht und kommt auch in enge Gärten, muss bei Grundwasser gesichert werden. Flachtanks passen, wo nicht tief gegraben werden kann.
Zisterne: Beton oder Kunststoff, unterirdisch oder oberirdisch
KriteriumBeton, unterirdischKunststoff, unterirdischKunststoff-FlachtankOberirdischer Tank
EinbauKran oder großer Bagger nötigMinibagger, auch in engen Gärtengeringe Einbautiefeohne Erdarbeiten
Auftrieb bei Grundwasserdurch Eigengewicht sicherSicherung nötigSicherung nötigkein Thema
Befahrbarmit passender Abdeckungnur bestimmte Modellenur bestimmte Modellenein
Frostfrostfrei im Bodenfrostfrei im Bodengeringe Überdeckung beachtenim Winter entleeren
Wasserqualitätkühl, dunkelkühl, dunkelkühl, dunkelWärme und Licht, Algen
Sinnvoll ab5.000 l3.000 l3.000 lbis ca. 1.000 l

Quelle: Eigene Praxis Jens Maute

Unsere Faustregel: Kommt ein Bagger an die Stelle und gibt es kein Grundwasserproblem, ist Kunststoff meist die einfachere Lösung. Muss die Zisterne unter die Einfahrt oder steht Grundwasser an, spricht viel für Beton.

Retentionszisterne: Starkregen und Trockenheit mit einem Tank

Eine normale Zisterne hilft bei Starkregen wenig. Ist sie voll, läuft jeder weitere Liter über, genau dann, wenn der Kanal ohnehin überlastet ist. Eine Retentionszisterne löst das mit einem zusätzlichen Stauraum.

So funktioniert es: Der untere Teil des Tanks ist Speicher für Gießwasser. Darüber liegt ein Pufferraum, der bei Starkregen Wasser zurückhält und es über eine Drossel langsam abgibt, in den Kanal oder besser in eine Versickerungsanlage. Nach einigen Stunden ist der Puffer wieder leer und bereit für den nächsten Guss.

Wir bauen dafür drei Varianten:

  1. Zisterne zur Regenwassernutzung: Ist sie voll, geht der Überlauf in die Vorflut (den Kanal).
  2. Zisterne mit Retentionszisterne: Der Überlauf geht in einen zweiten Stauraum, der Starkregen zurückhält und verzögert an den Kanal abgibt.
  3. Zisterne mit Versickerung: Der Überlauf versickert auf dem Grundstück, zum Beispiel in einer Sickermulde. In Marburg entfällt damit die Niederschlagswassergebühr für die angeschlossene Fläche vollständig.

In Marburg ist das bei Neubauten keine Kür: Wer ein Gebäude oder eine befestigte Fläche ab 50 qm Grundfläche baut, muss eine Bewirtschaftungsanlage für das Regenwasser einbauen. Der Abfluss in den Kanal ist auf 10 Liter pro Sekunde je Hektar Grundstücksfläche zu begrenzen, und bei einem Überlauf in den Kanal ist ein Retentionsvolumen vorzusehen (§ 7a Abwassersatzung). Für ein Grundstück mit 600 qm sind das 0,6 Liter pro Sekunde. Wie Zisterne, Mulde und Garten zusammen als Schwamm arbeiten, steht im Ratgeber Schwammgarten: Regenwasser im Garten halten.

Genehmigung, Anmeldung, Förderung in Hessen

Eine Baugenehmigung braucht die Gartenzisterne in Hessen nicht, solange sie höchstens 50 cbm fasst und höchstens 3,50 m tief ist. Weil sie an die Grundstücksentwässerung angeschlossen wird, verlangt Marburg vorher eine Entwässerungsgenehmigung. Das Gesundheitsamt muss sie kennen, sobald Regenwasser im Haus genutzt wird.
Zisterne: Was gilt in Hessen und in Marburg?
ThemaRegelGrundlage
Baugenehmigungnicht nötig für drucklose Behälter bis 50 cbm und 3,50 m Höhe oder TiefeHBO, Anlage zu § 63, Abschnitt I Nr. 6.4
Entwässerungsgenehmigung Marburgvor Bau und jeder Änderung der Grundstücksentwässerung; Zisternen zählen dazuAbwassersatzung §§ 2, 6
Pflicht bei Neubau MarburgBewirtschaftungsanlage ab 50 qm neuer GrundflächeAbwassersatzung § 7a
Niederschlagswassergebühr Marburg0,73 € je qm; ab 2 cbm Volumen ohne Kanal-Notüberlauf 0 €, mit Notüberlauf 50 %Abwassersatzung § 23
GesundheitsamtAnzeige, wenn Regenwasser im Gebäude genutzt wird (z. B. WC); Neuanlagen vier Wochen vorher; reine Gartenbewässerung in der Regel ohne Anzeige§ 12 TrinkwV; Merkblätter hessischer Gesundheitsämter
Förderung MarburgRegentonnen und Regensammler: 70 % des Kaufpreises, max. 100 € (Regensammler max. 50 €); für Zisternen kein städtisches Programm gefundenRichtlinie „Nachhaltiges Wassermanagement“, Stand 2024

Quelle: HBO Anlage zu § 63 (Fassung 09.10.2025); Abwassersatzung Universitätsstadt Marburg (Stand III. Nachtrag 21.11.2024); Gesundheitsamt Wiesbaden, Merkblatt § 12 TrinkwV (02/2024); Gesundheitsamt Rheingau-Taunus-Kreis; Richtlinie Regentonnen-Förderung Marburg (Stand 2024)

Außerhalb von Marburg gilt die Entwässerungssatzung der jeweiligen Gemeinde. Manche hessischen Gemeinden haben eigene Zisternensatzungen mit Pflicht ab einer bestimmten Dachfläche, andere geben bei der Gebühr andere Abzüge. Ein Blick in die Satzung oder ein Anruf beim Bauamt lohnt sich vor der Planung.

Wird Regenwasser im Haus genutzt, etwa für die Toilettenspülung, darf es keine Verbindung zur Trinkwasserleitung geben. Nachgespeist wird nur über einen freien Auslauf, Leitungen und Zapfstellen werden gekennzeichnet. Für eine reine Gartenpumpe ohne Anschluss an die Hausinstallation stellt sich die Frage nicht. Im Zweifel fragen Sie beim Gesundheitsamt des Landkreises Marburg-Biedenkopf nach.

Förderprogramme ändern sich. Ob die Stadt Marburg aktuell Mittel hat, erfahren Sie beim Klimaschutz-Team der Stadt. Wenn Sie Zisterne, Mulde und Bepflanzung als ein System planen möchten, fragen Sie eine Beratung vor Ort an. Jens Maute hat das Thema auch in seinem Buch „Wasser im Garten clever managen“ (Kosmos, 2026) beschrieben, ausgezeichnet mit dem Deutschen Gartenbuchpreis 2026 als bester Ratgeber.

Häufige Fragen

Welche Zisterne für die Gartenbewässerung?

Eine unterirdische Zisterne aus Kunststoff oder Beton mit Filter im Zulauf und einer Tauchdruckpumpe. Für einen Hausgarten mit 100 bis 150 qm Beeten sind 5.000 bis 10.000 Liter sinnvoll.

Was ist eine Zisterne im Garten?

Ein unterirdischer Behälter, der das Regenwasser vom Dach über einen Filter sammelt. Eine Pumpe fördert es zu den Zapfstellen im Garten. Ist der Behälter voll, läuft das Wasser über einen Überlauf in den Kanal oder in eine Versickerung.

Lohnt sich eine Zisterne für den Garten?

Ja, wenn Sie regelmäßig Beete gießen und Wasser in Trockenperioden sicher haben wollen. Über die Wasserrechnung allein rechnet sie sich selten. In Marburg kommt die gesparte Niederschlagswassergebühr dazu, bei 120 qm Dach bis zu 87,60 € im Jahr.

Wie groß sollte eine Zisterne für den Garten sein?

So groß, dass sie drei bis vier Wochen Gießbedarf abdeckt. Bei 15 Litern pro qm und Woche sind das für 100 qm Beete 4.500 bis 6.000 Liter, für 150 qm 7.000 bis 10.000 Liter.

Planung in Mittelhessen

Jens Maute plant Ihren Garten als Landschaftsarchitekt und baut ihn mit dem eigenen Garten- und Landschaftsbau-Betrieb, in Marburg und im Umkreis von rund 50 km. Den Anfang macht ein Gespräch.

Das Buch zum Thema

„Wasser im Garten clever managen“ (Franckh-Kosmos), Deutscher Gartenbuchpreis 2026, 1. Platz in der Kategorie Bester Ratgeber.
Buchcover „Wasser im Garten clever managen“