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Regenwasserbewirtschaftung im Garten in Marburg

Zisterne, Sickermulde, Sumpfbeet: Wir planen und bauen Gärten, die Regenwasser speichern und versickern, statt es in den Kanal zu schicken.

Wenn es regnet, läuft das Wasser vom Dach über das Fallrohr in den Kanal. Drei Wochen später steht der Gartenschlauch auf dem Rasen, gefüllt mit Trinkwasser. Das ist der Normalfall in Marburger Hausgärten, und er ist doppelt teuer: einmal für die Gebühr, mit der das Regenwasser im Kanal „entsorgt“ wird, und einmal für das Leitungswasser zum Gießen.

Regenwasserbewirtschaftung heißt, das Wasser, das auf das Grundstück fällt, dort auch zu halten. Wir planen und bauen dafür Zisternen, Sickermulden, Sumpfbeete und Regensammler, in Marburg und im Umkreis von etwa 50 km. Planung und Bau kommen aus einer Hand: Ich bin Landschaftsarchitekt (AKH) und führe seit 2004 einen eigenen Garten- und Landschaftsbau-Betrieb.

Warum Regenwasser im Garten halten?

Weil Gärten heute beides aushalten müssen: lange trockene Sommer und Starkregen. Gespeichertes Regenwasser überbrückt Trockenperioden, versickertes Wasser füllt das Grundwasser auf und entlastet bei Starkregen den Kanal. Pflanzen vertragen Regenwasser besser als kalkhaltiges Leitungswasser.

Wie sich in den letzten Jahren gezeigt hat, ist auch in Zukunft mit langen, trockenen Sommern zu rechnen. Getreu dem Sprichwort „Spare in der Zeit, dann hast du in der Not“ ist eine Regenwasserrückhaltung im Hausgarten keine Kür mehr. Die Vorteile im Einzelnen:

  • Für Trockenperioden steht Wasser zum Gießen bereit, und zwar Regenwasser, das Pflanzen besser vertragen als Leitungswasser.
  • Verdunstung aus Boden und Pflanzen kühlt das Kleinklima im Garten und in der Stadt.
  • Bei Starkregen und lang anhaltendem Regen gelangt nicht das gesamte Wasser sofort in den Kanal. Das ist Hochwasservorsorge im Kleinen.
  • Versickertes Wasser wirkt dem sinkenden Grundwasserspiegel entgegen.
  • Die öffentliche Hand spart Kosten für Kanalbau und Regenrückhaltebecken.

Das Prinzip dahinter heißt Schwammstadt: Der Boden saugt sich bei Regen voll wie ein Schwamm und gibt das Wasser langsam wieder ab. Ein Kubikmeter humusreicher Boden speichert mehrere Hundert Liter Wasser. Wie man den eigenen Garten zum Schwamm macht, steht ausführlich im Ratgeber Schwammgarten: Regenwasser im Garten halten.

Rechenbeispiel: Wie viel Regen fällt auf Ihr Dach?

Das folgende Rechenbeispiel zeigt, was es auf einem gewöhnlichen Grundstück zu „ernten“ gäbe.

Regenmenge pro Jahr nach Dachfläche (bei 600 mm Jahresniederschlag)
DachflächeRegenwasser pro Jahr
50 qm (Garage, Carport)30 cbm
100 qm60 cbm
150 qm90 cbm
200 qm120 cbm

Quelle: Rechenbeispiel Jens Maute: Dachfläche x 0,60 cbm pro qm

Bei einer Dachfläche von 100 qm und einem jährlichen Niederschlag von 600 mm ergibt sich ein Wert von 60 cbm (0,60 cbm x 100 qm = 60 cbm). Das sind 60.000 Liter, die heute in den meisten Gärten ungenutzt im Kanal verschwinden. Zum Vergleich: Eine Regentonne fasst 200 bis 300 Liter.

Zisterne einbauen: Möglichkeit 1, 2 und 3

Eine Zisterne ist ein unterirdischer Speicher aus Kunststoff oder Beton. Das Wasser vom Dach läuft über einen Filter hinein, eine Pumpe fördert es zu Gartenschlauch, Bewässerung oder WC. Was die Zisterne nicht mehr fasst, läuft je nach Bauweise in den Kanal, in einen Rückhaltespeicher oder versickert auf dem Grundstück.

Sicher, eine Regentonne ist schneller aufgestellt und leicht zu bedienen. Sie hat aber leider ein sehr geringes Volumen, und das Wasser, das oberirdisch Wärme und UV-Licht ausgesetzt ist, wird schnell brackig. Eine Zisterne liegt im Boden: Man sieht sie nicht, sie stört nicht, und auf ihr kann sogar ein Beet stehen.

Auch die Zisternen, die heute bei Neubauten eingebaut werden, sind unserer Meinung nach meist zu klein. Im günstigen Fall sind es rund 7 cbm, bei 60 cbm Regen im Jahr. Die richtige Größe hängt von Dachfläche, Verbrauch und Boden ab und wird mit dem zuständigen Bauamt abgestimmt. Wie man sie berechnet und was sie kostet, steht im Ratgeber Zisterne im Garten: Kosten und Größe.

Für den Überlauf gibt es drei Möglichkeiten:

Möglichkeit 1: Zisterne mit Überlauf in den Kanal. Das Regenwasser wird gesammelt. Ist die Zisterne voll, läuft das weitere Wasser in die Vorflut (den Kanal). Die einfachste Lösung, aber bei Starkregen hilft sie wenig, weil die Zisterne dann meist schon voll ist.

Möglichkeit 2: Zisterne mit Retentionszisterne. Hinter der Nutzzisterne liegt ein zweiter Speicher, die Retentionszisterne. Sie dient als zusätzlicher Stauraum, hält bei Starkregen Wasser zurück und gibt es verzögert an den Kanal ab.

Möglichkeit 3: Zisterne mit Versickerung. Überschüssiges Wasser wird auf dem Grundstück versickert, in einer Versickerungszisterne, einer Rigole oder einer offenen Mulde. Dann geht kein Tropfen mehr in den Kanal, und in Marburg entfällt dann auch die Niederschlagswassergebühr (0,73 € pro qm und Jahr) für die angeschlossene Fläche: Anlagen ab 2 cbm ohne Notüberlauf in den Kanal werden nicht berechnet, mit Notüberlauf zur Hälfte (§ 23 Abwassersatzung der Stadt Marburg, Stand 21.11.2024). Details stehen im Ratgeber Zisterne im Garten.

Versickern statt ableiten: Sickermulde und Sumpfbeet

Eine Sickermulde ist eine flache, begrünte Vertiefung, in die das Regenwasser vom Dach oder von der Terrasse geleitet wird. Dort versickert es langsam durch die belebte Bodenschicht. Ein Sumpfbeet ist eine Mulde, die länger feucht bleibt und mit Pflanzen bepflanzt wird, die nasse Füße vertragen.

Nicht jedes Grundstück braucht eine Zisterne. Oft ist die günstigere Lösung, das Wasser dort zu versickern, wo es herunterkommt. Eine Mulde im Rasen oder am Rand eines Beetes, ein Sumpfbeet am Ende des Fallrohrs, eine bepflanzte Rinne, die das Wasser über die Terrasse führt: Das sind keine technischen Anlagen, sondern Gartenbestandteile, die gut aussehen und bei Starkregen viel Wasser aufnehmen. Voraussetzung ist ein Boden, der Wasser durchlässt, und genug Abstand zum Haus und zur Grundstücksgrenze.

Wie groß eine Mulde sein muss und wie man sie baut, steht im Ratgeber Sickermulde im Garten anlegen. Am Hang gelten eigene Regeln: Dort muss das Wasser gebremst werden, damit es keinen Schaden anrichtet. Mehr dazu auf der Seite Hanggarten und Mauerbau.

Was ebenfalls hilft: Pflaster und Platten mit offenen Fugen statt dichter Flächen, und heimische, trockenheitsverträgliche Pflanzen, die mit wenig Gießwasser auskommen. Ein Naturgarten und ein Schwammgarten sind oft derselbe Garten, siehe Naturgarten anlegen lassen.

So gehen wir vor

  1. Ortstermin. Wir schauen uns Dachflächen, Fallrohre, Gefälle und Boden an. Wo läuft das Wasser heute hin, wo staut es sich, wo ist der Garten im August trocken? Der Einstieg ist die Gartenberatung vor Ort.
  2. Planung. Wir rechnen die Wassermengen, legen fest, was gespeichert und was versickert wird, und zeichnen Zisterne, Mulden und Leitungen in den Gartenplan. Wo nötig, stimmen wir die Planung mit dem Bauamt ab.
  3. Bau. Erdarbeiten, Einbau der Zisterne, Filter, Pumpe, Leitungen, Mulden und Bepflanzung erledigt unser eigener Betrieb. Elektroanschlüsse übernehmen Partnerbetriebe unter unserer Bauleitung.

Bestehende Gärten lassen sich in Abschnitten umbauen: zuerst ein Fallrohr abkoppeln und ein Sumpfbeet anlegen, später die Zisterne. Auch Teiche, Bachläufe und Quellsteine planen und bauen wir; für die Technik von Schwimmteichen arbeiten wir mit Partnerbetrieben.

Das Buch dazu

Alles, was auf dieser Seite nur angerissen ist, steht ausführlich in meinem Buch „Wasser im Garten clever managen“ (Kosmos, 2026): Sumpfbeete, Sickermulden, bepflanzte Rinnen, Zisternen und der Boden als Wasserspeicher. Das Buch hat den Deutschen Gartenbuchpreis 2026 gewonnen, 1. Platz in der Kategorie Bester Ratgeber. Für Leserinnen und Leser außerhalb von Mittelhessen ist es der beste Weg, das Prinzip im eigenen Garten umzusetzen.

Häufige Fragen

Lohnt sich eine Zisterne finanziell?

Wer nur das gesparte Leitungswasser rechnet, wartet lange auf die Amortisation. Interessanter wird es, wenn die Zisterne mit Versickerung kombiniert wird und dadurch die Niederschlagswassergebühr wegfällt, und wenn der Garten im Sommer ohne Trinkwasser auskommt.

Brauche ich für eine Zisterne eine Genehmigung?

Für die Gartenbewässerung meist nicht. Die Größe und eine Versickerung auf dem Grundstück sollten aber mit dem Bauamt beziehungsweise der Unteren Wasserbehörde abgestimmt werden, vor allem in Wasserschutzgebieten. Das übernehmen wir in der Planung.

Kann man eine Zisterne nachträglich einbauen?

Ja, auch in fertigen Gärten. Wichtig sind eine Zufahrt für den Bagger und ein Platz, an dem die Fallrohre gut angeschlossen werden können. Oft bietet sich ein Umbau ohnehin an, etwa wenn Terrasse oder Weg erneuert werden.

Wenn Sie wissen möchten, was in Ihrem Garten möglich ist, schildern Sie uns Ihr Vorhaben.

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