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Sickermulde im Garten anlegen: Aufbau, Größe berechnen, Abstand, Bepflanzung

Eine Sickermulde ist eine flache, bepflanzte Senke, in die das Dachwasser geleitet wird und durch rund 30 cm belebten Oberboden versickert. Als Faustwert braucht sie 10 bis 20 Prozent der angeschlossenen Fläche, höchstens 30 cm Einstau und genug Abstand zum Haus. In Marburg braucht sie eine Entwässerungsgenehmigung und senkt die Niederschlagswassergebühr.

Bei 120 qm Dachfläche laufen in Marburg jedes Jahr rund 60 cbm Regenwasser vom Dach. Meistens landen sie über das Fallrohr direkt im Kanal, während der Rasen im Juli braun wird. Eine Sickermulde dreht das um: Das Wasser bleibt auf dem Grundstück, versickert langsam und füllt den Bodenspeicher auf. Hier steht, wie eine Mulde aufgebaut ist, wie groß sie sein muss, wie weit sie vom Haus entfernt liegen sollte und was darin wächst.

Was ist eine Sickermulde – und wann reicht sie?

Eine Sickermulde ist eine flache, bepflanzte Senke im Garten, in die das Regenwasser vom Dach oder von befestigten Flächen geleitet wird. Dort staut es sich kurz auf und versickert durch den belebten Oberboden ins Erdreich. Sie reicht, wenn der Boden durchlässig genug ist und genug Fläche zur Verfügung steht.

Die Mulde ist der einfachste Baustein eines Schwammgartens: Der Garten saugt sich bei Regen voll wie ein Schwamm und gibt das Wasser langsam wieder ab, statt es in den Kanal zu schicken. Wie die Bausteine zusammenspielen, steht im Ratgeber Schwammgarten: Regenwasser im Garten halten.

Eine Mulde reicht nicht immer. Auf sehr dichtem Lehm oder Ton versickert das Wasser zu langsam, und die Mulde steht tagelang voll. Dann kommt unter die Mulde eine Rigole (ein Kieskörper als Zwischenspeicher), oder das Wasser geht zuerst in eine Zisterne und nur der Überlauf in die Mulde.

Aufbau einer Sickermulde (Querschnitt)

Von oben nach unten sieht eine Sickermulde so aus:

  1. Freibord: Der Muldenrand liegt etwa 10 cm über dem höchsten Wasserstand. So läuft auch bei vollem Einstau nichts Richtung Haus oder Nachbar.
  2. Einstauraum: höchstens 30 cm tief, mit flachen Böschungen. Flach heißt: Man kann darüber mähen, und für Kinder ist sie keine Gefahr.
  3. Belebter Oberboden: rund 30 cm humoser Boden, bepflanzt oder mit Rasen. Diese Schicht ist der eigentliche Filter. Bodenleben und Wurzeln halten Schmutzstoffe vom Dach zurück, bevor das Wasser ins Grundwasser gelangt.
  4. Gewachsener Boden: Hier versickert das Wasser. Wie schnell, hängt von der Bodenart ab.
  5. Optional Rigole: ein mit Vlies umhüllter Kies- oder Schotterkörper unter der Mulde, der zusätzliches Wasser zwischenspeichert. Mulde plus Rigole heißt Mulden-Rigole.

Dazu kommen der Zulauf (offene Rinne oder Rohr vom Fallrohr, am Einlauf mit Steinen gegen Ausspülen gesichert) und der Notüberlauf, der bei einem Jahrhundertregen das überschüssige Wasser geordnet ableitet: in eine zweite Mulde, eine Rigole oder, wenn die Gemeinde zustimmt, in den Kanal.

Kies und Vlies in der Mulde? In eine reine Sickermulde gehören weder Kies noch Vlies. Das Wasser soll durch den belebten Oberboden, denn nur dort wird es gereinigt. Kies und Vlies gehören in die Rigole darunter: Das Vlies verhindert, dass Feinboden in den Kieskörper einwandert und ihn zusetzt.

Wann ist der Boden zu dicht? Das Arbeitsblatt DWA-A 138, nach dem Versickerungsanlagen bemessen werden, nennt für die Versickerung einen Durchlässigkeitsbeiwert (kf-Wert) zwischen etwa 1 x 10⁻³ und 1 x 10⁻⁶ m/s. Sand und Kies liegen oben in diesem Bereich, schluffiger Lehm am unteren Rand. Auf lehmigen Böden, die wir rund um Marburg häufig antreffen, ist die Mulden-Rigole deshalb oft die bessere Wahl. Ob Ihr Boden taugt, zeigt ein einfacher Sickerversuch: Loch graben, mit Wasser füllen, Zeit messen.

Größe berechnen: Faustformel für Dachfläche und Boden

Als Faustwert braucht eine Sickermulde 10 bis 20 Prozent der angeschlossenen befestigten Fläche, bei höchstens 30 cm Einstau. Für ein Einfamilienhaus mit 120 qm Dach sind das 12 bis 24 qm Mulde. Auf sandigem Boden reicht der untere Wert, auf Lehm der obere oder eine Mulden-Rigole.

Die Mulde soll sich nach einem Regen innerhalb eines Tages wieder leeren. Steht sie länger, verschlämmt der Boden und die Pflanzen leiden. Daraus ergeben sich die zwei Stellschrauben: Fläche und Bodendurchlässigkeit.

Rechenbeispiel Einfamilienhaus in Marburg, 120 qm Dach
GrößeWertRechnung
Angeschlossene Dachfläche120 qmZiegeldach, zwei Fallrohre
Jahresniederschlag Raum Marburgrund 650 mm0,65 cbm je qm und Jahr
Regenwasser pro Jahrrund 60 cbm0,65 cbm x 120 qm x 0,8 (Abflussbeiwert Ziegeldach)
Muldenfläche nach Faustwert12–24 qm10–20 % von 120 qm
Gewählt (lehmiger Boden)20 qmz. B. 2,5 x 8 m
Speichervolumen bei 15 cm mittlerem Einstau3 cbm20 qm x 0,15 m
Gewitterguss 25 mm auf 120 qm Dach3 cbm120 qm x 0,025 m
Versickerung bei kf 1 x 10⁻⁶ m/s (Lehm)rund 3,6 mm pro Stundeauf 20 qm rund 70 Liter pro Stunde
Zeit bis die Mulde leer istrund 40 Stunden3.000 l : 70 l/h, zu lang

Quelle: Niederschlag: Station Cölbe, Mittel 10/2021–09/2026 (wetterdienst.de); Muldengröße 10–20 % und Einstau max. 30 cm / 1 Tag: Baunetz Wissen; kf-Wert-Bereich: DWA-A 138; eigene Berechnung

Das Beispiel zeigt das typische Problem auf Lehm: Die Mulde fasst den Guss, braucht aber fast zwei Tage zum Leerlaufen. Lösung: Mulde vergrößern oder eine Rigole darunter setzen, die einen Teil des Wassers schnell aufnimmt. Auf sandigem Boden mit kf 1 x 10⁻⁵ m/s wäre dieselbe Mulde nach gut vier Stunden leer.

Die Faustformel ersetzt keine Bemessung. Für Neubauten, größere Flächen oder wenn die Gemeinde einen Nachweis verlangt, wird die Anlage nach DWA-A 138 mit dem örtlichen Bemessungsregen und einem gemessenen kf-Wert berechnet. Das übernehmen wir in der Planung.

Abstand zu Haus und Grundstücksgrenze

Die Mulde darf das Haus nicht vernässen. Als Richtwert gilt ein Abstand von mindestens dem 1,5-fachen der Baugrubentiefe. Bei einem unterkellerten Haus mit 3 m tiefer Baugrube sind das 4,5 m. Der Grund: Die verfüllte Baugrube rund um den Keller ist lockerer als der gewachsene Boden, und Wasser sucht sich genau diesen Weg. Bei Häusern ohne Keller und mit wasserdichter Bodenplatte darf die Mulde näher heran, aber nie so, dass Wasser zur Fassade hin abfließt.

Zur Grundstücksgrenze gilt: Das Wasser darf nicht auf das Nachbargrundstück laufen, auch nicht bei vollem Einstau. Halten Sie deshalb Abstand zur Grenze, und der Notüberlauf muss so liegen, dass er nicht zum Nachbarn zeigt.

Darf ich Regenwasser in Marburg im Garten versickern lassen?

Ja, in Marburg ist Versickern ausdrücklich gewollt: Die Abwassersatzung nennt Mulden und Mulden-Rigolen als Bewirtschaftungsanlagen für Niederschlagswasser. Sie sind Teil der Grundstücksentwässerung, deshalb braucht der Bau vorher eine Entwässerungsgenehmigung der Stadt. Bei Neubauten ab 50 qm Grundfläche ist eine solche Anlage Pflicht.

Was in Marburg gilt, steht in der Abwassersatzung der Universitätsstadt Marburg (Lesefassung, Stand III. Nachtrag vom 21.11.2024):

  • Genehmigung (§ 6 Abs. 1): Herstellung und jede Änderung der Grundstücksentwässerungsanlagen brauchen eine vorherige Genehmigung der Stadt. Mulden zählen laut § 2 dazu.
  • Pflicht (§ 7a Abs. 1): Wer ein Gebäude, einen Anbau oder eine sonstige befestigte Fläche ab 50 qm Grundfläche herstellt, muss eine Bewirtschaftungsanlage bauen. Für kleinere neue Flächen „nach Möglichkeit“ (§ 7a Abs. 4).
  • Gebühr (§ 23): Die Niederschlagswassergebühr beträgt 0,73 € je qm angeschlossener Fläche und Jahr. Dachflächen, die an eine Versickerungsanlage mit mindestens 2 cbm Fassungsvermögen ohne Notüberlauf in den Kanal angeschlossen sind, zählen als nicht angeschlossen. Bei 120 qm Dach sind das 87,60 € im Jahr. Mit Notüberlauf in den Kanal halbiert sich die Gebühr für diese Fläche.
  • Anzeige (§ 4 Abs. 9): Ändern sich die angeschlossenen Flächen, ist das der Stadt innerhalb eines Monats mitzuteilen.

Ob zusätzlich eine wasserrechtliche Erlaubnis der Unteren Wasserbehörde beim Landkreis Marburg-Biedenkopf nötig ist, hängt vom Standort ab, etwa in einem Wasserschutzgebiet. In den anderen Gemeinden im Landkreis gilt jeweils deren eigene Entwässerungssatzung. Beides klären wir mit dem Entwässerungsantrag.

Sickermulde bepflanzen: Pflanzen, die Nässe und Trockenheit vertragen

In eine Sickermulde gehören Pflanzen wechselfeuchter Standorte: Sie halten ein bis zwei Tage Einstau aus und überstehen trotzdem trockene Sommerwochen. Bewährt sind Sibirische Schwertlilie, Blutweiderich, Großer Wiesenknopf, Rasen-Schmiele und Pfeifengras in der Sohle, trockenheitsverträgliche Arten am Rand.

Eine Mulde ist kein Teich. Sie steht nach einem Regen ein paar Stunden unter Wasser und ist im August staubtrocken. Reiner Rasen funktioniert zwar, ist aber die schwächste Lösung: flache Wurzeln, wenig Filterleistung, nichts für Insekten. Wir pflanzen in Zonen.

Pflanzen für die Sickermulde nach Zonen
ZonePflanzeEinstauTrockenheitBlüte, Höhe
SohleIris sibirica – Sibirische Schwertliliegutmittelblau, 5–6, 0,6–0,9 m
SohleLythrum salicaria – Blutweiderichsehr gutmittelpurpur, 7–9, 0,8–1,2 m
SohleSanguisorba officinalis – Großer Wiesenknopfgutmitteldunkelrot, 7–9, 0,6–1,0 m
SohleDeschampsia cespitosa – Rasen-SchmielegutgutGras, 6–8, 0,5–1,0 m
BöschungMolinia caerulea – PfeifengrasgutgutGras, 8–9, 0,6–1,0 m
BöschungEupatorium cannabinum – Wasserdostmittelmittelrosa, 7–9, 1,0–1,5 m
BöschungLysimachia vulgaris – Gilbweiderichgutmittelgelb, 6–8, 0,6–1,2 m
RandGeranium pratense – Wiesen-Storchschnabelgeringgutblauviolett, 6–8, 0,4–0,6 m
RandOriganum vulgare – Wilder Dostgeringsehr gutrosa, 7–9, 0,3–0,5 m
Gehölz am RandCornus sanguinea – Roter Hartriegelmittelgutweiß, 5–6, 2–4 m

Quelle: Pflanzenauswahl Jens Maute; Lebensbereiche nach Hansen/Stahl „Die Stauden und ihre Lebensbereiche“

Die Zulaufstelle bekommt Steine oder eine Kiesschüttung gegen Ausspülen. Gepflanzt wird im Frühjahr oder Herbst, und im ersten Jahr wird bei Trockenheit gegossen, bis die Wurzeln tief genug sind.

Kosten und Eigenleistung

Was eine Sickermulde kostet, hängt vor allem von der Größe, vom Zugang für den Bagger und davon ab, ob eine Rigole nötig ist:

Sickermulde und Mulden-Rigole: was dazugehört, wenn unser Betrieb baut
AusführungLeistungsumfang
Sickermulde, ca. 15 qmAushub, Oberboden, Zulauf vom Fallrohr, Bepflanzung
Mulden-Rigole, ca. 15 qmzusätzlich Kiesrigole mit Vlies, Notüberlauf

Quelle: Gartenarchitektur & Landschaftsbau Jens Maute

Den Preis für Ihre Mulde nennen wir nach dem Ortstermin, wenn Boden, Zugang und Dachfläche klar sind.

Eine kleine Mulde für ein Gartenhaus- oder Carportdach können Sie selbst graben und bepflanzen. Den Anschluss an Grundleitungen und Fallrohre, die Rigole, den Entwässerungsantrag und alles in Hausnähe sollten Sie einem Fachbetrieb überlassen. Ein Fehler beim Gefälle zeigt sich erst beim ersten Starkregen, und dann im Keller.

Wie wir Regenwasser auf Grundstücken in Marburg und Umgebung planen und bauen, steht auf der Seite Regenwasser im Garten. Wer zusätzlich Gießwasser für trockene Wochen speichern will, findet im Ratgeber Zisterne im Garten: Größe und Kosten die passende Rechnung. Mulde und Zisterne lassen sich gut kombinieren: Die Zisterne füllt sich zuerst, ihr Überlauf geht in die Mulde.

Das Thema Mulde, Zisterne und Schwammgarten hat Jens Maute ausführlich in seinem Buch „Wasser im Garten clever managen“ (Kosmos, 2026) beschrieben, ausgezeichnet mit dem Deutschen Gartenbuchpreis 2026 als bester Ratgeber. Wenn Sie wissen möchten, wo auf Ihrem Grundstück eine Mulde Platz hat und wie groß sie werden muss, fragen Sie eine Beratung vor Ort an.

Häufige Fragen

Wie sieht eine Sickermulde aus?

Wie ein flaches, leicht vertieftes Beet mit sanften Böschungen, höchstens 30 cm tief. Bepflanzt mit Stauden und Gräsern fällt sie als Mulde kaum auf. Nur nach einem kräftigen Regen steht für ein paar Stunden Wasser darin.

Welche Pflanzen für eine Sickermulde?

Stauden und Gräser wechselfeuchter Standorte, die kurzen Einstau und Trockenheit vertragen, etwa Sibirische Schwertlilie, Blutweiderich, Großer Wiesenknopf, Rasen-Schmiele und Pfeifengras. Am trockeneren Rand passen Wiesen-Storchschnabel und Wilder Dost.

Wie tief darf eine Mulde sein?

Der Einstau sollte höchstens 30 cm betragen und sich innerhalb eines Tages abbauen. Tiefer bringt kaum mehr Volumen, verdichtet aber den Boden in der Sohle und ist für kleine Kinder gefährlich.

Wie groß muss eine Sickermulde sein?

Als Faustwert 10 bis 20 Prozent der angeschlossenen Fläche. Für 120 qm Dach sind das 12 bis 24 qm. Je dichter der Boden, desto größer die Mulde, oder es kommt eine Rigole darunter.

Wofür braucht man einen Sickerschacht?

Ein Sickerschacht leitet Wasser punktuell in tiefere, durchlässige Schichten, wenn an der Oberfläche kein Platz für eine Mulde ist. Weil das Wasser dabei kaum durch belebten Boden läuft, ist er die zweite Wahl. Wo Platz ist, bevorzugen wir die Mulde.

Planung in Mittelhessen

Jens Maute plant Ihren Garten als Landschaftsarchitekt und baut ihn mit dem eigenen Garten- und Landschaftsbau-Betrieb, in Marburg und im Umkreis von rund 50 km. Den Anfang macht ein Gespräch.

Das Buch zum Thema

„Wasser im Garten clever managen“ (Franckh-Kosmos), Deutscher Gartenbuchpreis 2026, 1. Platz in der Kategorie Bester Ratgeber.
Buchcover „Wasser im Garten clever managen“