Klimabäume für den Garten: Hausbäume, die Hitze und Trockenheit aushalten
Ein Baum ist die langlebigste Entscheidung im Garten. Eine Staude setzt man im nächsten Herbst um, einen Baum pflanzt man für dreißig, fünfzig oder hundert Jahre. Gerade deshalb lohnt die Frage, ob er die Sommer aushält, die kommen. 2018, 2019, 2020 und 2022 haben in Mittelhessen gezeigt, wie es Birken, Fichten und Rotbuchen in trockenen Lagen geht. Hier steht, welche Bäume als Klimabäume gelten, welche in einen kleinen und welche in einen großen Garten passen und worauf es beim Pflanzen ankommt. Über Klimabäume halten wir auch Vorträge, zuletzt zusammen mit dem Marburger Baumexperten Patrick Zimmermann.
Was ist ein Klimabaum?
Die bekanntesten Listen kommen aus der Stadt, nicht aus dem Garten. Die Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) bewertet seit Jahren Straßenbäume, und die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) testet im Projekt „Stadtgrün 2021“ Baumarten an Standorten in Würzburg, Hof/Münchberg und Kempten. Die Ergebnisse sind für Hausgärten trotzdem wertvoll: Ein Baum, der neben einer heißen Straße durchhält, hat es im Garten leichter.
Ein Garten ist aber kein Straßenrand. Er hat meist besseren Boden, mehr Platz für Wurzeln und jemanden, der in den ersten Jahren gießt. Dafür ist er kleiner, und der Baum steht nah am Haus, an der Terrasse und an der Grenze. Deshalb wählen wir einen Hausbaum zuerst nach seiner endgültigen Größe und erst danach nach der Liste.
Der „Klimabaum“ aus der Werbung: Blauglockenbaum (Paulownia)
Wer „Klimabaum kaufen“ sucht, landet oft beim Blauglockenbaum, Paulownia, der als besonders schnell wachsender CO₂-Speicher angeboten wird. Er wächst tatsächlich sehr schnell und blüht im Mai prächtig blau-violett. Junge Bäume sind aber frostempfindlich, die Blütenknospen erfrieren in kalten Wintern, und in warmen Regionen verwildert er.
Mit dem Klima hat ein Baum vor allem dann zu tun, wenn er alt wird. Ein Baum, der hundert Jahre steht, speichert mehr Kohlenstoff, spendet mehr Schatten und bietet mehr Tieren Lebensraum als einer, der in zehn Jahren groß ist und nach zwanzig wieder gefällt wird. Wir raten deshalb zu Arten, die langsam bis mittelstark wachsen und lange leben.
Welche Bäume pflanzen im Klimawandel? Auswahl nach Gartengröße
| Gartengröße | Baum | Höhe ca. | Herkunft | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| klein | Amelanchier ovalis – Gewöhnliche Felsenbirne | 2–4 m | heimisch | Blüte im April, essbare Früchte, Herbstfärbung |
| klein | Cornus mas – Kornelkirsche | 4–6 m | heimisch | blüht gelb ab Februar, frühe Bienenweide |
| klein | Mespilus germanica – Mispel | 3–5 m | eingebürgert | langsam, Tiefwurzler, Früchte für Marmelade |
| klein | Acer monspessulanum – Französischer Ahorn | 3–10 m | Südeuropa | gelb-orange Herbstfärbung, bienenfreundlich |
| klein bis mittel | Parrotia persica – Eisenholzbaum | 6–8 m, breit | Iran, Kaukasus | rote Herbstfärbung, sehr hitzefest |
| mittel | Acer campestre – Feldahorn | 8–15 m | heimisch | schnittverträglich, auch als Hecke |
| mittel | Fraxinus ornus – Blumen-Esche | bis 15 m | Südeuropa | weiße Blüte im Mai/Juni, wichtige Bienenweide |
| mittel | Sorbus torminalis – Elsbeere | 10–15 m | heimisch | wärmeliebend, Früchte für Vögel |
| mittel | Pyrus pyraster – Wildbirne | 8–15 m | heimisch | Tiefwurzler, verträgt Trockenheit gut |
| groß | Liquidambar styraciflua – Amberbaum | 10–20 m | Nordamerika | leuchtend rote Herbstfärbung, braucht nicht zu trockenen Boden |
| groß | Ostrya carpinifolia – Hopfenbuche | 12–15 m | Südeuropa | sehr trockenheitsfest, hopfenartige Fruchtstände |
| groß | Corylus colurna – Baum-Hasel | 15–20 m | Südosteuropa | Nüsse für Eichhörnchen und Vögel, sehr robust |
| groß | Tilia tomentosa – Silber-Linde | 20–25 m | Südosteuropa | Blätter mit silbriger Unterseite, späte Lindenblüte |
| groß | Quercus cerris – Zerr-Eiche | 20–30 m | Süd- und Südosteuropa | Eiche für trockene Lagen |
Quelle: Pflanzenliste Jens Maute (trockenheitsverträgliche Gehölze); LWG Bayern, Stadtgrün 2021; GALK-Straßenbaumliste
Die Höhen gelten für Bäume, die frei wachsen dürfen. Mehrstämmig gezogene Bäume bleiben niedriger und breiter, für kleine Gärten ist das oft die bessere Form. Der Gewöhnliche Trompetenbaum aus meiner alten Liste wächst schnell und verträgt Hitze, wird mit 15 bis 20 m aber zu groß für die meisten Reihenhausgärten.
Heimisch oder aus Südeuropa?
Im Naturgarten pflanzen wir bevorzugt heimische Arten, weil viele Insekten auf bestimmte heimische Pflanzen angewiesen sind. An einer Eiche leben mehrere Hundert Insektenarten, an einem Amberbaum nur wenige. Unter den Klimabäumen gibt es heimische Arten, die mit Trockenheit gut zurechtkommen: Feldahorn, Elsbeere, Wildbirne, Felsenbirne, Kornelkirsche, Traubeneiche. Wo es heißer und trockener ist, etwa vor einer Südwand oder auf flachgründigem Sandsteinboden, nehmen wir Arten aus Südeuropa dazu, die mit unseren heimischen eng verwandt sind, wie Französischen Ahorn, Blumen-Esche oder Zerr-Eiche. Bäume aus Nordamerika oder Asien setzen wir gezielt ein, etwa wegen der Herbstfärbung, aber nicht als Regel. Wie wir einen Garten insgesamt naturnah anlegen, steht unter Naturgarten anlegen lassen.
Boden und Lage rund um Marburg
Rund um Marburg wechseln die Böden auf kurzer Strecke. An den Hängen der Lahnberge und im Marburger Rücken liegt oft flachgründiger, sandiger Boden über Buntsandstein. Er wird im Sommer schnell trocken und ist eher sauer. In der Lahnaue und im Ebsdorfer Grund ist der Boden lehmig, hält Wasser länger und kann im Winter nass sein. In Neubaugebieten ist er nach dem Hausbau oft verdichtet und mit Bauschutt durchsetzt.
Für den Baum heißt das: Auf trockenem Sandstein sind Elsbeere, Feldahorn, Hopfenbuche oder Blumen-Esche gut aufgehoben. Der Amberbaum braucht dagegen einen tiefgründigen Boden, der nicht völlig austrocknet. Auf verdichtetem Neubauboden entscheidet das Pflanzloch mehr als die Art.
Pflanzen und anwachsen lassen
So pflanzen wir einen Hausbaum:
- Standort festlegen. Endgültige Kronenbreite, Abstand zu Haus, Terrasse, Leitungen und zur Grenze. In Hessen schreibt das Nachbarrechtsgesetz Mindestabstände zur Grenze vor, die sich nach der Wuchsstärke richten.
- Pflanzloch. Mindestens doppelt so breit wie der Ballen, Sohle und Wände aufgelockert, damit die Wurzeln in den umgebenden Boden finden. Auf verdichtetem Boden lockern wir tiefer.
- Pflanzhöhe. Der Wurzelansatz bleibt auf Höhe der Oberfläche. Zu tief gepflanzte Bäume kümmern.
- Verankerung. Zwei oder drei Pfähle halten den Baum, bis die Wurzeln greifen. Der Stamm wird locker angebunden, nicht eingeschnürt.
- Gießrand und Mulch. Ein Erdwall um den Baum hält das Gießwasser, eine Mulchschicht schützt den Boden vor dem Austrocknen.
- Wässern. Lieber selten und viel als täglich ein bisschen. Ein Wassersack oder ein langsam laufender Schlauch bringt das Wasser in die Tiefe, wo die Wurzeln hinwachsen sollen.
Für das Gießen in den ersten Sommern ist Regenwasser ideal. Eine Zisterne oder eine Sickermulde in der Nähe des Baums hilft ihm dauerhaft, wie im Artikel Schwammgarten: Regenwasser im Garten halten beschrieben. Bei größeren Pflanzungen lohnt eine Tropfbewässerung für die Anwachsphase.
Häufige Fragen
Welche Bäume pflanzen im Klimawandel?
Arten, die Trockenheit und Hitze aushalten und trotzdem lange leben: heimisch etwa Feldahorn, Elsbeere, Wildbirne oder Traubeneiche, aus Südeuropa etwa Französischer Ahorn, Blumen-Esche, Hopfenbuche oder Zerr-Eiche. Welche davon in Ihren Garten passt, hängt vor allem von Platz und Boden ab.
Welcher Hausbaum passt in einen kleinen Garten?
Ein kleinkroniger Baum oder ein mehrstämmiger Großstrauch bis etwa 6 bis 8 m Höhe, etwa Felsenbirne, Kornelkirsche, Mispel, Französischer Ahorn oder Eisenholzbaum. Kugelformen wie der Kugel-Ahorn bleiben zwar klein, bieten aber wenig Schatten und Tieren kaum Nahrung.
Ist der Klimabaum winterhart?
Die meisten Klimabäume aus Südeuropa sind bei uns winterhart, einige vertragen aber Spätfröste im Austrieb schlecht. Der als „Klimabaum“ verkaufte Blauglockenbaum (Paulownia) ist in jungen Jahren frostempfindlich, seine Blütenknospen erfrieren in kalten Wintern.
Wie viel CO₂ bindet ein Baum?
Das hängt vor allem von der Holzmasse ab, die er über sein Leben aufbaut. Ein großer, alter Baum bindet ein Vielfaches eines jungen. Deshalb zählt für das Klima weniger, wie schnell ein Baum wächst, als wie alt er wird.
Wann ist die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen?
Der Herbst, von Oktober bis Dezember. Wurzelnackte Bäume gibt es nur in der Ruhezeit, Ballen- und Containerware lässt sich bis ins Frühjahr pflanzen, nur nicht bei Frost oder Hitze.
Sie möchten einen Hausbaum pflanzen, der auch in zwanzig Jahren noch zu Ihrem Garten passt? Schreiben Sie uns kurz, wo er stehen soll. Wir planen und pflanzen Bäume und Hecken in Marburg und im Umkreis von etwa 50 km, mehr dazu unter Bäume und Hecken pflanzen.
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